Eine Szene aus Berlin, mit dem Hoheitsschild der DDR an einem Betonpfeiler

Von Kaffeekrise, über Erich`s Krönung bis zum gesellschaftlichen Wandel

Ein kleiner Beitrag zum internationalen Tag des Kaffees und dem Tag der deutschen Einheit.

Schaut man sich die Menschheitsgeschichte und ihren Verlauf mal etwas genauer an, findet man erstaunlich oft Hinweise auf die Beteiligung von Kaffee. Seine Interaktion mit den Kulturen der Welt ist ein wirklich spannendes Themenfeld.

Auch in der DDR war Kaffee ein wichtiges Gut. Er war ein hohes Politikum, wichtig für den gesellschaftlichen Frieden, und durch seine Abwesenheit, auch mitverantwortlich für das Ende des Staates. Die Kaffeekriese in der DDR hat übrigens bis heute Auswirkungen.

Da ich aber weder in der DDR aufgewachsen bin, noch während ihres Bestehens bereits Kaffee trinken durfte, habe ich mir einen Fachmann für diese Podcast Folge eingeladen. Mein Gast ist Herr Dr. Wolle, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin. Er gibt uns einen Einblick in viele spannende Bereiche rund um Kaffee in der DDR. Vom Kaffeepreis, über die Sorten, Muggefug & Co., bis zur sozialen Bedeutung und der besagten Beteiligung an den Montagsprotesten.

Frag Dr Wolle Titelbild. Er sitzt in einem beigen Anzug in einem klassisch im DDR Stil eingerichteten Wohnzimmer und telefoniert über ein orangenes Telefon.
Dr. Wolle in einem, im DDR Stil eingerichteten, Wohnzimmer beim Telefonieren.

In diesem Artikel fasse ich dir die wichtigsten Dinge noch einmal zusammen und gebe dir noch ein paar interessante Verlinkungen mit. Am Ende des Artikels findest du auch noch den informativen und unterhaltsamen YouToube Kanal von Herrn Dr. Wolle, bzw. des DDR-Museums.

Die Bedeutung von Kaffee in der DDR

Menschen trinken gerne Kaffee und das am aller liebsten in Gesellschaft. So war das auch nach dem 2. Weltkrieg in der DDR. In beiden Staaten auf deutschem Grund war die Versorgungslage, mit den exotischen und stets zu importierenden Bohnen, allerdings erwartungsgemäß schlecht. Da das Verlangen nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken ungebrochen groß war, haben kluge Köpfe Kaffeeersatz erfunden. Ganz typisch für diese Zeit, der Eichelkaffee. Leider konnten diese Ersatzmittel nicht wirklich mit den aromatischen Wunderbohnen mithalten. Die Versorgung der Gesellschaft mit echtem Bohnen Röstkaffee hatte entsprechend eine deutliche Priorität.

Nun hatte Kaffee aus Sicht der sowjetisch geprägten Staatsorganisation einen erheblichen Nachteil – er musste teuer importiert werden. Besonders schmerzhaft für die DDR, da ihre Währung international keinerlei Bedeutung hatte. Der Import musste also stets in Devisen bezahlt werden, welche ebenfalls rar waren.

Dennoch war klar, die Menschen brauchen ihren Kaffee und sie sollten ihn bekommen. 1957 hat die erste Kaffeerösterei in Magdeburg eröffnet und Marken wie „Im Nu“, „Rondo“ und „Mona“ etablierten sich. Durch die schwierige Beschaffungslage war Kaffee in der DDR aber immer eher ein Luxusgut, welches man sich in Maßen gönnte.

Die Kaffeekrise

1967 stiegen die Ölpreise und in großen Kaffee-Produktionsländern kam es aus verschiedenen Gründen zu schlechten Ernten. Ergebnis war, dass sowohl die Rohkaffeepreise explodierten als auch die wertvollen Devisen verstärkt für die Ölversorgung gebraucht wurden. Anders ausgedrückt, es war nicht mehr möglich in den nötigen Mengen Rohkaffee zu importieren.

Die politische Führung der DDR stand also vor der großen Frage, wie man die Kaffeeversorgung der Bevölkerung weiterhin gewährleistet. Dies wurde laut Aktenlage sogar auf aller höchster Ebene diskutiert und entschieden.

Eine silberne Tütenverpackung mit der Aufschrift Kaffee Mix, in Rot und orange. In der Kaffeekrise entwickelter Kaffeeersatz.
Erich´s Krönung. In der Kaffeekrise entwickelte die DDR diesen Kaffeeersatz.

Ein guter Ansatz bei schnell knapper werdenden Ressourcen ist den Verbrauch zu minimieren. Hier kamen die Erfahrungen mit dem Kaffeeersatz zum Tragen und es wurde der Kaffee-Mix erfunden. Eine Mischung aus 51% Röstkaffee, 34% Roggen-Gerste Mischung, sowie diversen weiteren Zusätzen, wie Zuckerrübenschnitzel u.ä.

Großer Beliebtheit hat sich diese, als „Erich´s Krönung“ bekanntgewordene, Mischung selten erfreut. Der Spitzname leitet sich natürlich aus dem Vornamen des damaligen Staatsoberhaupts, Erich Honecker, sowie der bekannten „Krönung“ einer großen Kaffeerösterei ab. Dieser Kaffee-Mix, ging wohl auf den Magen, schmeckte mäßig gut und verstopfte die Maschinen im Büro. Das hatte diese Kombination hatte selbstredend Auswirkungen auf das seelische Wohlergehen der Menschen.

Die Auswirkungen bis heute

Es mussten also noch weitere Lösungen her. Ein Ansatz war der Tausch von Kaffee gegen Waffen mit den eher sozialistisch ausgerichteten Militärdiktaturen. So geschehen mit Äthiopien und Angola.

Gleichzeitig wurden aber auch die Beziehungen nach Vietnam verstärkt. Ingenieure lieferte Maschinen und Wissen, bauten Infrastrukturen und Anlagen auf, alles mit dem Ziel in diesem kommunistischen Bruderstaat Kaffeeplantagen betreiben zu können.

Da dieser Prozess und auch das Wachstum von Kaffee durchaus zeitintensiv ist, bzw. war, konnte die DDR nicht mehr von ihrer Investition profitieren. Denn bis die ersten ernstzunehmenden Ernten ankamen, gab es die DDR in dieser Form nicht mehr. Die damaligen Maßnahmen haben aber trotzdem Früchte getragen, sogar sehr gute.

Das Ergebnis ist, dass Vietnam – ein Land in dem traditionell eher wenig Kaffee angebaut wurde – in nur wenigen Jahren zum zweit größten Produzenten aufgestiegen ist, direkt hinter Brasilien. Der dort produzierte Kaffee ist in vielen, vor allem günstigen, Kaffeeblends enthalten. Es gibt aber auch dort bereits Initiativen und Farmer, die sich auf den Weg gemacht haben, hin zu Spezialitäten Kaffee.

Kaffee als Katalysator des gesellschaftlichen Wandels

Das Ende der DDR hatte natürlich vielfältige Ursachen. Dennoch war der immer größer werdende Unmut in der Gesellschaft ein erheblicher Brandbeschleuniger. Genau hier können erneut Spuren der Beteiligung von Kaffee gefunden werden.

Kaffee ist ein soziales Schmiermittel. Er läd ein und schafft den Raum für Austausch, und das bereits seit seinen Anfängen. Übrigens habe ich dazu schon eine interessante Folge veröffentlicht, die du hier findest.

Eine weiße Kaffeetasse mit buntem Blümchenmuster auf einer passenden Untertasse, auf einem Holztisch mit weißem Spitzendeckchen.

In den Büros der DDR war die gemeinsame Kaffeepause eine wichtige Institution für allerlei Klatsch und Tratsch, aber auch um sich Luftmachen zu können. Als nun Erich´s Krönung, aka. der Kaffee-Mix, die Kaffeemaschinen verstopfte, gab es plötzlich keinen Kaffee mehr für diese Pause. Den Unmut kann man sich vorstellen.

Ein weiterer Schauplatz waren selbstverständlich die Kaffeehäuser, welche ein Ort waren, an dem sich die Menschen trafen und sprachen. Gerade für die Intellektuellen-Szene waren sie ein Ort, um gesellschaftliche Entwürfe zu diskutieren. Wie auch schon bei der französischen Revolution, kann man also den Kaffeehäusern auch bei den Montagsprotesten eine gewisse Rolle zusprechen.

Zusammengefasst

Kaffee in der DDR war, wie in fast jeder Gesellschaft dieser Erde, ein gesellschaftlich verbindendes Element. Die Rollen, die dieses Getränk einnimmt sind dabei meist subtil und hilft Wege zu gehen. Wie bedeutend diese Rollen aber wirklich sind, haben auch die damaligen Politiker schon erkannt. Die Auswirkungen sehen wir beispielsweise durch die Rolle von Vietnam für den Kaffeeweltmarkt, bis heute.

Wie tief Kaffee mit allem verwoben ist, fasziniert jedes Mal aufs Neue.

Danke für´s Lesen und Teilen!

Links zur Folge

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Danke für das Bild von Herrn Dr. Wolle an das DDR Museum Berlin

Danke für das Titelbild liebe Marie: Photo by Marie Bellando-Mitjans on Unsplash

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