Eine Tasse Kaffee wird vor einen Kaffeebaum mit Früchten gehalten, transparenter geht es nicht.

Lohnt sie sich und bedeutet sie immer auch fairen Handel?

Wenn du hochwertigen Kaffee kaufst, dann gehören Informationen, Geschichten und schöne Bilder zu den Bohnen deiner Wahl, wahrscheinlich schon zum gewohnten Bild für dich. Aber auch auf immer mehr Sorten von Großröstern und in immer mehr Supermarktregalen hält die Transparenz im Kaffeehandel Einzug.

Informationen wie, die Herkunft des Kaffees, der Name der Farm, wie hoch diese liegt, der Name des Produzenten, welche Varietät und Aufbereitung sich in der Verpackung befinden, gehören also immer mehr zum normalen Erscheinungsbild.

Das ist auch gut, denn es zeigt steigendes Interesse an eben dieser Transparenz, am echten Ursprung des Kaffees und es kontert die – von mir oft kritisierte – Entwicklung alles durch zu branden.

Aber warum genau ist Transparenz im Kaffeehandel so wichtig, was bringt sie wirklich, lohnt sie sich und bedeutet transparenter Kaffeehandel auch immer fairen Handel?

Darum soll es heute gehen. Viel Spaß beim Lesen und Hören.

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Welchen Stellenwert hat Transparenz im Kaffeehandel?

Der globale Informationsaustausch über die Herkunft des Rohstoffs, hat bei Kaffee eine lange Tradition. Immerhin ist der Kaffeehandel ein Vorreiter der Globalisierung. Mit seinen Wurzeln in Äthiopien und Eritrea, gedeiht er eben ausschließlich in tropischen Klimazonen, wird aber weltweit konsumiert. Anfangs kam er zu uns über die Gewürzhandelsrouten und später aus den Kolonien.

Mehr zur Entdeckung und Verbreitung findest du in Folge 5 „Die Kaffee Geschichte“ und Folge 14 „Die Entstehung der Kaffeehaus Kultur“.

Die Kluft zwischen Produzent und Konsument ist also bereits Jahrhunderte alt und durchaus riesig. Immerhin ist die Wertschöpfungskette von Kaffee ist lang. Von der Farm bis in die Tasse arbeiten viele Hände daran. In der Mehrzahl der Fälle landen dann heutzutage auch noch Bohnen unterschiedlichen Ursprungs – Farm, Region oder sogar Produktionsland – in einer Tasse.

Nun ist es für verschiedene Akteure in dieser Lieferkette von Interesse zu wissen, woher genau die Bohnen denn nun kommen. Für Zwischenhändler, um den Kaffee entsprechend anpreisen und verkaufen zu können. Für Röster, um Kaffees zu finden, die in das gesuchte Geschmacksprofil passen. Für Konsumenten, um Kaffee zu finden, den sie mögen.

Wenn dich das hier interessiert, könnte dich auch Folge 24 „Blend, Single Origin, Micro Lots im Kaffee“ interessieren.

Was bewirkt Transparenz im Kaffeehandel?

Nun gibt es noch eine andere Seite in der Kaffeehandel eine lange Geschichte hat, nämlich Sklaverei und Ausbeutung in seiner Produktion. Etwas das, besonders in den letzten Jahren, viele Menschen in der Kaffeebranche und viele Konsumenten, dazu bewegt hat genauer hinschauen zu wollen.

Etwa seit Beginn der 2000er Jahre konnte man einen erheblichen Anstieg an solchen Bemühungen beobachten. Meiner Meinung nach war das auch dringend nötig, denn Transparenz im Kaffeehandel, aber auch in jeder anderen Branche, macht es für jeden mit schwindliger Moral, etwas schwieriger und hoffentlich auf Dauer weniger rentabel als ein anständiger Handel…..Oder?

Soweit die Wunschvorstellung. Am Ende des Tages ist Kaffeehandel ein Geschäft und zwar ein verdammt großes. Etwa 20 Milliarden Dollar werden jährlich mit Kaffee umgesetzt. Das was wir Interessierte als große Bewegung zu mehr Transparenz und fairem Handel wahrnehmen betrifft, wohlwollend gerundet, etwa 20% davon. Das heißt nicht, dass die restlichen ca. 80% zwingend unfair gehandelt wurden. Dazu aber weiter unten etwas mehr.

Abgesehen vom wirtschaftlichen, hat Transparenz im Kaffeehandel aber durchaus einen großen positiven Effekt – nämlich Wertschätzung. Durch die neuen Techniken und erhöhtes Interesse, wird heute die historische Kluft zwischen Produzent und Konsument immer besser überbrückt. Das fängt an bei Informationen auf der Packung, geht weiter mit Bildern und Geschichten der Farmen, bis zu einem regelmäßigen Austausch von (z.B.) Röstern und Kaffeefarmern.

Das wird aber noch nicht das Ende sein. Beispielsweise wird aktuell daran gefeilt, bzw. darüber diskutiert, die Blockchain Technologie auch im Kaffeehandel einzusetzen. Das ist freilich eine Idee, die noch ein paar Hürden zu nehmen hat.

Lohnt sich Transparenz im Kaffeehandel?

Ob sich Transparenz lohnt, dass hängt davon ab wie man selbiges definiert. Betrachten wir die emotionale Ebene, würde ich sagen im Regelfall ja. Alle Kaffeeproduzenten, die ich in meinen 12 Jahren in der Kaffeebranche bisher treffen durfte, freuen sich wie kleine Kinder, wenn sich jemand – ernsthaft – für sie und ihre Arbeit interessiert. Fast jeder hat irgendwo eine kleine Sammlung von Kaffeeverpackungen, in denen der, von ihnen produzierte, Kaffee verkauft wurde.

Auch für uns interessierte Konsumenten lohnt es sich auf vielfältige Weise zu erfahren, was wir da trinken, wo es herkommt und wie es produziert wurde. Für manche weil sie sich bewusst ernähren wollen, weil sie gewisse Menschen oder Projekte unterstützen wollen – oder eben nicht. Für andere, weil sie einen gewissen Geschmack suchen. Für uns alle aber mit Sicherheit, weil wir Geschichten lieben.

Auch für Röstereien lohnt es sich ein guter Kontakt mit den Produzenten zu haben, denn so können Prozesse weiterentwickelt, der Kaffee evtl. etwas für die eigenen Kunden angepasst und Wissen ausgetauscht werden.

Wenn wir darüber sprechen, ob sich Transparenz im Kaffeehandel lohnt, ist die Frage aber auch oft eher eine wirtschaftliche. Genau hier wird es aber eher schwierig eine einfache Antwort zu finden. Müsste ich pauschal antworten, würde ich sagen: Im Regelfall eher nicht, bis wenig.

Einen bestimmten Kaffee von der Pflanze über die gesamte Aufbereitung, den Export, die gesamte Logistikkette entlang, bis zum Röster und schließlich in deine Tasse hinein transparent zu machen, ist ein riesiger Aufwand. Aufwand in jeder Form der Produktion bedeutet Kosten. Mit anderen Worten, Transparenz im Kaffeehandel kostet Geld!

In der Regel liegt ein Großteil dieses Aufwands, aka. der Kosten, beim Kaffeeproduzenten. Außerdem gilt, je genauer, je höher die Transparenz, desto teurer ist es. Das heißt, wenn ich transparent gehandelten Kaffee möchte, dann muss ich dafür auch Geld bezahlen.

Bedeutet transparenter Handel auch fairer Handel?

Damit kommen wir zu der Frage nach fairem Handel, bzw. ob Transparenz auch immer gleich fair ist – Nein.

Transparenz erhöht die Chance, dass hier Menschen mit intaktem Moralkompass zusammengearbeitet haben, ja. Transparenz erhöht auch die Chance, dass Produzent und damit die Pflücker einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit bekommen haben.

Auch erhöht sie deine Chance darauf, dass du tatsächlich hochwertigen Kaffee in der Packung hast, denn der beschriebene Aufwand lohnt sich eben erst ab einer gewissen Kaffeequalität.

Genau damit kommen wir auch zum Punkt mit den ca.80% weniger transparent gehandeltem Kaffee. Das ist der Massenmarkt, Bohnen die in den SB Automaten an Tankstellen, in deinem Büro, im gratis Refill im Diner, beim Bahnhofsbäcker und in „1kg Kaffee in Barista Qualität, jetzt im Angebot für nur 6,99€“ landen.

Ein Markt der seine Berechtigung hat. Ein Markt in dem auch durchaus gute Bohnen landen können, vielleicht sogar welche, die an sich rückverfolgbar gewesen wären, aber keinen Abnehmer unter den, immer nach Neuerungen jagenden, Spezialitäten Jüngern, gefunden hat, oder oder oder.

Fakt ist auch. Selbst wenn ein Kaffee herausragend ist und für viel Geld verkauft wurde, kommt es auch noch auf die verkaufte Menge an. Denn für 2 oder 5 Sack lohnt es sich ebenfalls kaum für den Produzenten. (Mit gewissen super hochwertigen Nano Lots)

Zusammengefasst

Es ist nicht alles Gold was glänzt, es ist aber auch nicht alles schlecht was matt ist. Grundsätzlich ist Transparenz im Kaffeehandel richtig und wichtig. Sie fördert den Austausch und die Wertschätzung, erhöht die Chance auf eine vernünftige Bezahlung aller Beteiligten und bringt uns als Konsumenten guten Kaffee mit tollen Geschichten.

Zu bedenken gilt es, dass all das Aufwand bedeutet und sich dieser Mehraufwand eben auch lohnen muss. In manchen Fällen ist es für das Ziel von fairem Handel also durchaus besser etwas ungenauer zu sein.

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