Trockener Pfad auf einer Kaffeeplantage, hier wird sieht man wie Trockenheit durch den Klimawandel zum Problem wird.

Was bedeutet die Erderwärmung für den Kaffeeanbau?

Es wird immer heißer und trockener oder auch mal viel zu kalt und nass. Der Klimawandel hat viele Gesichter. In manchen Regionen merkt man das schon heute recht deutlich, in anderen weniger.

Aber egal wie klein diese Veränderungen auch sein mögen, für unsere Lieblingspflanze Kaffee, bedeutet sie eine riesige Herausforderung. Denn sie ist extrem gut angepasst und über Jahrhunderte für ein ganz bestimmtes Klima durch den Menschen optimiert worden.

Die gerade beginnenden Veränderungen setzten Kaffee und seine Produzenten daher schon heute massiv unter Druck. Weltweit wird mit Hochdruck geforscht und nach Lösungen gesucht.

Aber was genau bedeutet denn der Klimawandel für Kaffee und wie steht es um die Zukunft unseres Lieblingsgetränks? Gibt es vielleicht bald keinen Kaffee mehr?

Darauf gibt es heute ein paar Antworten.

Viel Spaß beim Hören.

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Das Problem der hohen Angepasstheit von Kaffee

Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie der Klimawandel Kaffee und seinen Anbau genau beeinflusst, sollte festgehalten sein, dass wir uns hier über eine höchst spezialisierte Pflanze unterhalten.

Es werden eigentlich ausschließlich die Arten Arabica und Canephora angebaut. Beide werden seit Jahrhunderten gezüchtet und optimiert. Das passiert durch Kreuzungen und natürliche Mutationen, welche bei Gefallen weiter gezüchtet werden.

Dabei ist der Genpool dieser Pflanzen extrem eng, sprich alle Varietäten (Unterarten) sind jeweils miteinander sehr (!) eng verwandt. Sobald ein Schädling, wie Pilze, Insekten oder Krankheiten, Zugang gefunden hat, sind somit ganze Regionen der Kaffeeproduktion bedroht.

Kaffeepflanze in einem Topf. Sie hat unten braune Blätter, so wie viele ihrer Artgenossen dank des Klimawandels.
Im Topf fühlen sich die empfindlichen Pflanzen nicht so wohl.

Ein Beispiel wie sehr ist Ceylon. Den Tee kennt jeder, früher war diese Region aber für einige Jahre der größte Kaffeeexporteur der Welt, bis 1869 der La Roya Pilz ausbrach und innerhalb weniger Jahre alle Kaffeepflanzen auf der Insel vernichtete.

Mehr dazu und warum der Genpool von Kaffee so klein ist, findest du in den Folgen 81 „Die Verbreitung von Kaffee“ und Folge 23 „Arabica vs. Robusta – Botanik der Kaffeepflanze

In den vergangenen Jahrhunderten war die oben beschriebene Anpassung von Kaffee nur schlüssig. Kaffeebauern rund um den Planeten suchten sich die am besten Produzierenden und geschmacklich reinsten Varietäten und haben uns so den Segen dieses wundervollen Getränks immer schmackhafter gemacht – und günstiger bezahlbar natürlich auch.

Bedroht der Klimawandel den Kaffeeanbau?

Kurz gesagt, ja. Sehr sogar.

Besonders Kaffee Arabica ist nämlich eine Diva. Die Pflanze will ganzjährig warme Temperaturen zwischen ca. 18 – 25 Grad, bei deutlicher Abkühlung in der Nacht, relativ viel Niederschlag, aber bitte zur rechten Zeit und auch nicht zu viel. Dazu bitte viel Sonne, aber nicht direkt und auf gar keinen Fall Frost. Der Boden sollte gut mit Nährstoffen versorgt sein, aber nicht zu viel und bitte auch recht locker.

Traditionell gibt es die nötigen Bedingungen in den Subtropen und Tropen auf Höhen zwischen 800 und 2200 Metern. Praktisch, denn hier gibt es durchaus viel landwirtschaftlich nutzbares Land.

Durch die Erderwärmung ändert sich das nun. Die Temperaturen steigen, wodurch die möglichen Anbauflächen für die Kaffeeproduktion in größere Höhen rutschen. Dort gibt es nur eben bei weitem nicht mehr so viel nutzbare Fläche.

Eine Gruppe auf einem staubigen Weg bergauf. Hier verstärkt sich die Trockenheit durch den Klimawandel.
Die Trockenheit verstärkt sich zunehmend durch den Klimawandel.

Aber es sind nicht nur die Temperaturen, die sich ändern, sondern auch die Niederschläge, welche ausbleiben oder zu viel vorhanden sind. An anderen Orten sind sie dann natürlich auch anders ausgeprägt. Genau wie der Boden, die Infrastruktur, Sonneneinstrahlung, Begleitvegetation, usw.

Das sind gänzlich andere Voraussetzungen und am Ende neben vielen Schwierigkeiten für Produzenten auch ein anderes Tassenprofil für dich und mich.

Auch Extremwetter nehmen immer mehr zu. In Honduras beispielsweise wurden viele Kaffeegebiete 2020/21 von zwei Hurricanes verwüstet. Auch Panama hatte in dieser Zeit mit extremen Starkregen zu kämpfen, während in Brasilien ganze Landstriche erfroren sind.

Hat der Anbau von Kaffee eine Zukunft?

Ja, wenn auch im Vergleich zu heute eine deutlich veränderte.

Die Herausforderungen sind riesig, genauso aber auch die weltweiten Bemühungen Lösungen zu finden. Beispielsweise werden Arten und Varietäten gekreuzt, um sie resistenter zu machen gegen Schädlinge. Canephora beispielsweise ist deutlich widerstandsfähiger als Arabica, hat bei weitem aber nicht die geschmackliche Finesse.

Genauso wird aber auch an fast vergessenen Arten geforscht. Bekommt man Liberica lecker hin? Kann man Stenophillla dazu bringen mehr zu produzieren? Wieviel kann man bei Canephora noch durch besseren Anbau herausholen?

Kleine Kaffeepflanzen werden an die Witterung gewöhnt, im Schatten auf einer Plantage in Guatemala.
Vorsichtiges Anzüchten junger Setzlinge in Guatemala.

Antworten werden gesucht und mit Sicherheit gefunden. Kaffee ist eine riesige und weltweit bedeutende Branche. Daher mache ich mir wenig Sorgen darum, deshalb mache ich mir keine Sorgen darum, dass es irgendwann keinen Kaffee mehr geben wird.

Allerdings werden beim Kaffeeanbau erhebliche Anpassungen stattfinden müssen. Das ist für manche Produzenten eine ordentliche Investition in die Zukunft, für viele aber das Aus. Und genau hier wird es dann für mich irgendwie noch mal trauriger, denn es ist doch genau diese Vielfalt, die wir an Kaffee so schätzen und die wird verschwinden.

Fazit

Es wird auch trotz Klimawandel und Erderwärmung Kaffee geben. Nur sehr wahrscheinlich weniger vielfältig, und zu höheren Preisen. Wie es um die Qualitäten stehen wird, werden wir sehen müssen.

Vielleicht wird eines Tages sogar Kaffee in Südeuropa angebaut. Versuche hierzu gibt es schon, bisher aber mit mäßigem Erfolg.

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