Ein kolonialer Innenhof mit vielen tropischen Pflanzen in Antigua Guatemala

Erste Erfahrungen als Barista in Guatemala

Ja, es ist wirklich passiert. Aktuell bin ich in Antigua Guatemala unterwegs und arbeite hier als Barista, Barista Trainer und baue gemeinsam mit den Freunden von White Flag Coffee ein Coffee Skill Progamm auf. In der heutigen Folge des einfach mal Kaffee Podcast erzähle ich ein bisschen von unserem Alltag hier in Antigua Guatemala, vom Stand der Kaffeeprojekte und wie die ersten Schichten als Barista so gelaufen sind.

Im Podcast erzähle ich frei von der Leber weg und hier im Blog bekommst du die schönen Bilder dazu, sowie noch ein paar Insider Infos on Top.

Viel Spaß beim Lesen und Hören!

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Die Reise nach Antigua Guatemala

Hierher zu kommen war eigentlich ganz einfach. Nur eben von Frankfurt nach Madrid und von dort weiter nach Guatemala City fliegen – entspannte 24h Reise insgesamt (Bus – Bahn – Bus – Bus – Flieger – Bahn – Flieger – Auto – Bett). In Zeiten von Reiseauflagen sollte dem Ganzen natürlich ein bisschen tagesaktuelle Recherche vorausgehen. Am Ende hat uns neben einer vollständigen Impfung und einem ausgefüllten Formular für die spanische Gesundheitsbehörde, ein einfacher Schnelltest für unsere Reise gereicht.

Unvorstellbar finde ich, wie lange man über offenes Wasser fliegt. Die Küste Portugals lässt man innerhalb von ca. 40 Minuten hinter sich. Bis zu den ersten Inseln auf der anderen Seite des Atlantiks, bedarf es dann über 7 Stunden Flug mit 800km/h. Der beeindruckenste Teil der Reise ist aber mit Sicherheit der Landeanflug auf Guatemala City.

Die Schönheit Antigua Guatemala

Diese Stadt ist die alte Hauptstadt des Landes. Erbaut von den Spaniern war sie – nachdem die (noch ältere Hauptstadt) Ciudad Viejo verlassen wurde, lange das Zentrum eines zentral amerikanischen Staates der spanischen Kolonien. Hier gab es eine hochrangigen Uni, über 50 Kirchen, Krankenhäuser, Schulen u.v.m.

1773 wurde Antigua von einem schweren Erdbeben getroffen, viele der Kirchen stürzten ein und die Verlegung des Regierungssitzes in die neu gegründete Stadt Ciudad Guatemala wurde durchgeführt. Die Einwohner Antiguas haben die Stadt aber nie aufgegeben und sie in großen Teilen wieder aufgebaut, bzw. erhalten.

Seit 1979 ist die Stadt UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit – zurecht. Wer durch die Kopfsteinpflaster Straßen geht, ist umgeben von bunten Fassaden, hinter denen sich wundervolle Kolonialbauten mit herrlichen Innenhöfen, dekoriert mit tropischen Pflanzen und in Schuss gehaltenenen Holzbalken verbergen. Man sollte langsam laufen, nicht nur wegen der vielen Schlaglöcher, sondern weil man so auch die vielen kleinen Tiendas, Geschäfte, Hinterhof Restaurants, auf dem Comal handgemachte Tortillas u.v.m. entdeckt.

Ebenfalls sehenswert sind natürlich die zahlreichen Ruinen und der Markt. Letzterer ist einer der Größten Märkte dieses Kontinents, täglich geöffnet und durchaus verwinkelt. Hier gilt, wie im gesamten Land: Das Bauchgefühl ist gefragt und sollte genutzt werden.

Wer offen genug ist, findet hier aber günstiges Essen, vielfältige und exotische Zutaten, Gerüche und Geräusche. Ein kleiner Schlenker über den 2nd Hand Markt im hinteren Teil lohnt durchaus ebenfalls.

Die Kirsche auf der Torte dieser Stadt sind aber diese unfassbar schönen Himmel-Wolken-Vulkan-Konstellationen. Ich weiß nicht, ob diese Blicke in irgend einer Form „alt“ werden können. Ich kneife mich jedenfalls jeden Tag mehrfach aufs neue.

Soziales Engagement als Barista in Guatemala

Austausch

Ein wichtiger Zweck dieser Reise ist das Sammeln von Erfahrungen und die Weitergabe selbiger. Anders als man vielleicht vermuten mag, ist es in einem Kaffeeproduktionsland nämlich nicht unbedingt die Norm, dass sich die Menschen mit dem eigentlichen Endprodukt auch auskennen. Die größeren Produzenten nehme ich hier mal aus, aber der durchschnitts Guatemalteke kennt eben guatemaltekischen Kaffee, wenn überhaupt. Viele haben zwar schon mal gehört, dass ihr Land bekannt ist für guten Kaffee, aber was das ist, oder wie „wir“ in Europa ihn konsumieren, dieser Einblick fehlt den meisten.

Die Arbeit als Barista in einem Spezialitäten Kaffee nach europäischem Vorbild hier in Antigua Guatemala, hat also durchaus diverse wichtige Ansatzpunkte. Das Alegría Café arbeitet viel daran eine Community aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützt und durch Wissensaustausch pusht. Ebenfalls wollen sie ihren Standort resilienter machen gegen die anstehende Eröffnung einer Starbucks Filiale…dazu werde ich aber wohl eine eigene Episode machen.

Ebenfalls können sich hier aufstebende guatemaltekische Barista mit Kollegen aus der ganzen Welt austauschen und das Produkt ganz neu Entdecken.

Möglichkeiten geben

Ein weiterer wichtiger Baustein ist es Möglichkeiten zu schaffen, damit junge Menschen aus sozial sehr (!) schwierigen Lagen ihr Leben in die eigene Hand nehmen können. Wie wichtig das ist und wie wichtig es ist, dass diese Jugendlichen selbst ihren Weg bauen, dass haben wir erst gestern bewegend vor Augen geführt bekommen. Auch hierzu wird eine Folge kommen. Denn es war ein schwer in Worte zu fassendes Erlebnis, dass aus europäischer Perspektive kaum nachvollziehbar ist. Die Realitäten in diesem Land sind einfach teilweise unvorstellbar für uns. Das schreibe ich ausdrücklich nicht, um Mitleid zu erwecken, dass will hier nämlich niemand!

Insgesamt hat sich das bestätigt, was ich vorher bereits vermutet hatte. Wer diesem wunderbaren Land wirklich und ernsthaft auf seinem wohlverdienten Weg aus einer dunklen Vergangenheit unter die Arme greifen will, muss erst mal wirklich fühlen, was hier „Phase“ ist. Soviel sei vorweg geschickt: Es ist nicht Mitleid und Lösungen oder einfach nur Geld bringen.

Die Menschen in Guatemala

Alles in Guatemala ist intensiver. Das gilt für Farben, Gerüche, Geräusche, das Leben und auch die Menschen. Es gibt hier – wie überall auf der Welt – den vollen Blumenstrauß an Charakteren. Erstaunlich finde ich, wie warmherzig und offen der Großteil der Leute ist. Wie immer natürlich unter der Voraussetzung, dass man sich auf das Land und die Gegebenheiten einlässt.

Sehr beeindruckend finde ich beispielsweise Hector Hernandez, der seit 46 Jahren (!) einen kleinen Fruchtstand im Park betreibt. Da er genau gegenüber von Alegría steht, sehen wir ihn fast jeden Tag auf einen kleinen Fruchtsnack für 80 Cent und einen kleinen Plausch mit einem Erfahrenen Mann, der zufrieden ist mit seinem Leben.

Ebenso die gefühlt 300 Jahre alte Dame, die kaum mehr aufrecht laufen kann und ihre zerbrochene, verschmierte Brille mit einer Kordel schief um den Kopf gebunden hat. Sie kommt zwei mal die Woche freudestrahlend ins Café und legt ihre Sachen (sie verkauft Kunsthandwerk an der Straße) bei uns ab, um in die Messe zu gehen. Nach ca. 1,5 Stunden kommt sie wieder und erfüllt den ganzen Raum mit ihrer Ruhe und Zufriedenheit. Eine beeindruckende Person.

Genauso gibt es aber auch den superreichen, der beim überteuerten Italiener die Nanny anschreit, damit sein eben gestürztes Kind endlich mit dem Weinen aufhört. Vielleicht mag er kein Gequengel im Hubschrauber auf dem Weg nach Hause.

Zwischen diesen Gegensätzen gibt es noch tausende Abstufungen und Kombinationen. Lange Rede kurzer Sinn, das Leben hier ist intensiv, Eindrucksvoll und absolut bereichernd. Außer für Menschen die gerne den 5-Sterne-All-inkl. Urlaub suchen. Wobei es wohl auch für diese hier Orte gibt.

Zusammengefasst

Guatemala und im Speziellen Antigua Guatemala, ist ein Ort an dem ich mich sehr aufgehoben, wohl und bereichert fühle. Weshalb es sich lohnt die vielen kleinen und großen Widrigkeiten anzunehmen und dieses Land auf seinem Weg zu Unterstützten. ¡Guatemala, vale la pena!

In meinem Fall ist das als Barista Trainier hier in Antigua mit wundervollen Projekten in Aussicht. Etwas mehr zu einem speziellen Prokjekt findest du sehr bald schon als Sonderfolge auf Steady.

Es fällt mir übrigens schwer diesen Text hier zu schreiben, denn neben mir läuft eine Straßen Party und sobald ich den Kopf hebe sehe ich den eindrucksvollen Volcán Agua. Also bitte verzeih mir, sollte er nicht so rund sein, wie gewohnt. Thug life 😉

Danke fürs Lesen!

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