Balkon der Finca La Bella, so leben die Kaffeeproduzenten.

Rundgang auf Finca La Bella – Eine Kaffeefarm in Anlehnung an Agro Forst Techniken

Seitdem ich Kaffee kenne, war es schon immer ein Traum von mir Kaffeefarmen zu bereisen. Das ich diese Möglichkeit inzwischen sogar schon mehrmals hatte empfinde ich als großes Privileg und bin sehr dankbar dafür.

In dieser Folge möchte genau das mit dir Teilen. Wir reisen zusammen nach Sierra de las Minas im Herzen Guatemalas, auf Finca La Bella. Hier nimmt uns Theodoro Engelhardt, aka. Theo, mit auf eine Runde über dieses Schmuckstück und gibt uns einen Einblick in die Welt eines Kaffeeproduzenten. Sie ist bereits seit über 100 Jahren in Familien Besitz und es wird seit jeher viel Wert auf den verantwortungsvollen Umgang mit Boden und Ökosystem geachtet.

Geführt wird diese Kaffeefarm in Anlehnung an Agro Forst Systeme, ohne dabei zu idealistisch zu werden. Theo´s Sichtweise auf viele Fragen der Nachhaltigkeit sind großartig rücksichtsvoll und realitätsbezogen.

Gelegen in den „Nebelbergen“, trägt diese Finca ihren Namen „die Schöne“ übrigens völlig zurecht. Komm mit auf eine interessante Runde mit einem herzlichen Gastgeber.

Viel Spaß beim Hören und Lesen.

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Die Anreise

Zu Theo kommt man nicht zufällig, wer ihn besuchen will, der muss es ernst meinen. Wir reisen mit dem 4×4 Biest von Markos an. Los geht es in Antigua, insgesamt 3 Stunden lang durch Guatemala City und anschließend Downhill auf dem Highway in die Region Sierra de las Minas. Von 1600m ü.n.N. auf 250m. Irgendwann biegen wir von der großen Straße ab in ein Städtchen und kämpfen uns durch verwinkelte Gässchen, bis auf einen Feldweg.

Dieser ist aber einfach nur die Landstraße und führt, leicht ansteigend, durch unfassbar trockenes Gebiet in die vor uns gelegene Bergkette. Als wir eine Ansammlung von Wellblechhäuschen passieren verabschieden wir uns vom Handyempfang, öffnen ein Gallo fürs Feeling und Markos aktiviert in die ernstgemeinte Allradübersetzung.

Von hier an fahren wir eine Stunde lang über immer unwegsameres Gelände – gut, dass das Bier hier nicht so viel Kohlensäure hat. Wir werden geschüttelt, queren Bäche und Hänge und lassen auf recht kurzer Wegstrecke satte 1400 (oder mehr) Höhenmeter hinter uns.

Oben angekommen, werden wir freudig von Mario – Theo´s rechter Hand – begrüßt und in die Familien Finca geführt. Auf dem Balkon wartet schon ein vorgeheizter Grill und kalte Getränke auf uns. Über die Aussicht können wir nur Vermutungen anstellen, denn leider ist es schon dunkel und so die Nebelberge machen ihrem Namen ebenfalls alle Ehre.

Ein Jahrhundert als Kaffeeproduzenten

Nach einigen Minuten kommt auch der Hausherr, Theodoro Engelhardt der 4. (ja wirklich), von seiner Farmrunde. Theo kenne ich inzwischen schon seit 4 Jahren und hatte bereits einige sehr lustige, wenngleich lehrreiche, Unterhaltungen mit ihm. Ihn endlich mal auf seiner Finca zu besuchen war also mehr als überfällig.

An diesem Abend erfahren wir einiges über das Leben als Kaffeeproduzent, den Welthandel und die Familiengeschichte, denn die Kaffeefarm inkl. des Hauses ist bereits seit über 100 Jahren ein Familienbetrieb. So hängen Theo´s Cup Of Excellenz Awards direkt neben einer umfangreichen Büchersammlung und den Familien Portraits seiner Vorfahren.

Die Farm in der Tradition der Familie fortzuführen ist Theo ein echtes Anliegen. Das beginnt bei der Art des Managements, über die Art der Kollaboration mit den umliegenden, indigenen, Dörfern und der sehr positiven Kommunikationskultur mit all seinen Angestellten.

Kleine Beispiele fallen dabei auf. Kommen wir mit dem „Chefmobil“ ist die Körpersprache seiner Arbeiter äußerst entspannt – anders als auf manch anderer Farm, die ich bereits besucht habe. Alle machen Witzchen und freuen sich Besuch zu sehen und nennen ihren Chef „Junior“, weil er lange an der Seite seines Vaters gearbeitet hat.

Agro Forst auf der Kaffeefarm

Aber halt, ich springe ein bisschen. Denn als erstes zeigt uns „die Schöne“ am nächsten Morgen, dass sie ihren Namen zurecht trägt. Kaum sind die morgendlichen Wolken verschwunden offenbart sich ein einmaliger Blick ins Tal, mit dahinter wieder aufsteigenden Bergen und Vulkanen in der Ferne.

In diesem Fall gilt aber ebenfalls „warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt, so nah“. Denn La Bella ist ein Naturparadis. Bereits Theos Vorfahren haben sich gegen die Bewirtschaftung um jeden Preis gewehrt. Diese Kaffeefarm gleicht einem natürlichen Wald. Sie ist zwar nur in Teilen ein Agro Forst per Definition, aber auch in allen anderen Teilen wachsen heimische Bäume, Pflanzen, Sträucher und Moose in vielen Stockwerken – dazwischen herrlicher Kaffee.

Während wir den morgen Kaffee auf dem Balkon mit oben beschriebener Aussicht genießen, fliegen heimische Vögel in allerlei Farben vorbei und singen ihr Lied. Einfach unfassbar schön.

Theo nimmt uns mit in seinem Pickup und fährt uns über seine Kaffeefarm spatzieren – das macht man hier so, wer ein Auto hat, der fährt…immer. Wie man auf diesen Wegen fahren kann, das ist mir als Mitteleuropäer ein Rätsel, aber es geht.

Vorteil beim Fahren, man sieht mehr von dieser Art des Kaffeeanbaus. Hohe Bäume sorgen für Schatten und gleichmäßige Temperaturen, die Wolken und der Nebel für das Wasser, die Bananen, Avocados, Orangen und Limetten für die richtigen Nährstoffe und die richtigen Kaffeevarietäten dazwischen für die Finanzierung des Ganzen.

Gerade im Vergleich zu den Gebieten weiter unten im Tal, oder auch den umliegenden Kaffeefarmen ist Finca La Bella eine echte Naturoase. Da sie das auch schon seit vielen Jahrzehnten ist, haben es all die fleißigen Hände hier auch geschafft sogar Humusschichten aufzubauen, was leider alles andere als normal ist.

Der Balanceakt von Kaffeeproduzenten

Während wir so durch Wald und Wiesen schaukeln, frage ich Theo natürlich Löcher in den Bauch, denn er erzählt verständlich und offen aus der Realität von Kaffeeproduzenten.

Bei all dem Urwald Charakter macht er zum Beispiel keinen Hehl daraus, dass er nicht rein ökologisch arbeitet und auch nicht streng nach Agro Forst Idealen. Ihm ist es wichtig verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen, aber nicht, weil das ein Zertifikat will. Er will seine Schöne Farm erhalten, damit auch seine Kinder die Arbeit fortführen können. Er will gutes für die Familien stiften, welche auf und um die Finca herum leben. Er will fair sein zu seinen Arbeitern, weil er so zuverlässige Arbeiter hat, weil diese wiederum zuverlässig ein halbes Jahr fair bezahlt werden.

Als Beispiel nutzt er die Bananen- und andere Fruchtbäume, um seinen Boden zu erhalten, Schatten zu spenden und weil ein intaktes Ökosystem mehr äußeren Stress aushält. Das spart ihm Dünger, Pestizide, etc. Die Ernte der Früchte gibt er weiter an die Arbeiter, unter der Auflage, dass sie daraus kein Geschäft machen, sondern sich und ihre Familien versorgen.

Zusammengefasst

Es ist bei all dem nicht verwunderlich, dass ausgerechnet von dieser Kaffeefarm der White Flag Coffee Blend während des Lockdowns in Guatemala kam. Auch ein Grund, warum der Besuch auf dieser Perle von Finca so besonders gut zu unserem Aufenthalt hier passt.

Theo hat für uns all seine Termine abgesagt, nur um ein guter Gastgeber zu sein. Ich finde all das sagt genug über den Menschen und warum ich es ihm von Herzen gönne, dass er ein solches Paradis sein Eigen nennen darf.

Der Abschied fällt schwer, aber beschenkt uns noch mit einem wundervollen Sonnenuntergang, in welchen wir hineinfahren, während die Welt um uns herum wieder staubiger wird, wird an Höhe verlieren und Handysignal gewinnen.

Herzlichen Dank fürs Lesen.

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